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Filtertest Hario

Pour Over-Filter im Test 2022

Der Markt für Kaffeefilter ist in den vergangenen Jahren beständig gewachsen. Wie also die richtige Wahl treffen? Und machen Filter wirklich einen Unterschied beim Geschmack deines Lieblingsgetränks? Wir haben ein paar Produkte für dich getestet.

Wenn du ein Fan von Pour Over bist, hast du dich mit dem Thema Filter(papier) sicherlich schon einmal auseinandergesetzt. Die Entscheidung kann schwer fallen, wenn dir neben dem Geschmack auch Preis und Nachhaltigkeit wichtig sind. Wir haben sechs verschiedene Produkte nach diesen drei Kriterien getestet und bewertet, um dir die Auswahl ein bisschen leichter zu machen.

Die Produkte im Test

Einmalfilter

  • Abaca Coffee Paper Filter von CAFEC
  • V60 Coffee Paper Filter von Hario
  • Specialty Coffee Filter von Sibarist

Dauerfilter

  • Double Mesh Metal Dripper von Hario
  • Bio-Baumwollfilter von Wiesenheimat
  • Kaffeefilter aus Edelstahl von dripdrip

Details

Bio-Baumwollfilter von Wiesenheimat: 100% GOTS zertifizierter BIO-Baumwolle, wiederverwendbar, für Kaffeemaschine und Handfilter geeignet; plastikfreie Verpackung. 3er Set Größe 4 — geeignet für 4 Tassen Kaffee. 14,90 €

Abaca Coffee Paper Filter von CAFEC: Abaca (Manilahanf) und Holzstoff, Einweg, für Kaffeemaschine und Handfilter geeignet; Plastikverpackung. 100 Stück — geeignet für 4 Tassen Kaffee. Ca. 9,50 € je nach Händler.

V60 Coffee Paper Filter von Hario: gebleichtes Papier, Einweg, für Kaffeemaschine und Handfilter geeignet (wir haben die Größe 02 in unserem Test verwendet); Plastikverpackung. 100 Stück — geeignet für bis zu 4 Tassen Kaffee. Ca. 6,90 € je nach Händler.

Specialty Coffee Filter von Sibarist: 100 % organische Bio-Abaca- und Cellulose-Fasern, Einweg, für Kaffeemaschine und Handfilter geeignet; PET-Verpackung (recyclebar). 100 Stück — geeignet für bis zu 4 Tassen Kaffee. Ca. 34,90 € je nach Händler.

Kaffeefilter aus Edelstahl von dripdrip: Edelstahl mit Naht aus lebensmittelechtem PET, wiederverwendbar, für Handfilter geeignet, spülmaschinengeeignet, Plastikverpackung. 1 Stück (für Hario V60) — geeignet für bis zu 4 Tassen Kaffee. Ca. 11,90 € je nach Händler.

Double Mesh Metal Dripper von Hario: Edelstahl, wiederverwendbar, für Handfilter geeignet (kein zusätzlicher Dripper notwendig), spülmaschinenfest, Karton-Verpackung. 1 Stück (Größe 01) — geeignet für bis zu 2 Tassen. Ca. 26,99 € je nach Händler.

Wir, das Coffee Circle-Content Team (Zalia, Jan, Andy, Stephan) entscheiden uns, zwei Tests durchzuführen: Zunächst führen wir einen Standardtest durch, indem wir dasselbe Rezept auf alle Filter anwenden, um deren Beschaffenheit zu überprüfen. Im Anschluss führen wir einen Versuch durch, indem wir die Rezepte an ausgewählte Filter anpassen. Aspekte der Nachhaltigkeit und Reinigung werden anschließend unter die Lupe genommen.

Filtertest 2022

Der erste Test

Wir mahlen mit der Wilfa Uniform Mühle jeweils 15 g unseres Nansebo Kaffees (Mahlgrad 22) auf 250 ml Wasser, das auf 96 °C gebrüht wurde. Für alle Filter bis auf den Double Mesh Metal Dripper von Hario braucht es zusätzlich einen Handfilter. Wir verwenden den Keramik-Dripper von Hario (V60). Wir verzichten im ersten Test auf das Blooming, gießen stattdessen das Wasser in einem (langsamen) Schwung auf, um möglichst identische Brühvorgänge zu erreichen. Unmittelbar lassen sich folgende Beobachtungen festmachen:

Andy: Beim Double Mesh Metal Dripper schwitzt der Kaffee ja an den Seiten raus.
Jan: Der dripdrip Edelstahl-Filter sitzt viel zu lose — weil er gefaltet ist, rutscht er im Keramik-Handfilter hin und her.
Stephan: Der Filter aus Bio-Baumwolle riecht unangenehm stark nach Baumwolle.
Zalia: Das Kaffeesediment ist im Abaca-Filter ist schön gleichmäßig verteilt, klebt nicht wie bei den Edelstahlfiltern ungleichmäßig an den Seiten.
Jan: Auch beim Hario V60 Filterpapier ist das Bett clean und eben.
Andy: Oh Gott, beim Sibarist-Filter fließt der Kaffee viel zu schnell durch.

Wenig überrascht stellen wir fest, dass die verschiedenen Filter verschiedene Mahlgrade verlangen. Wer beispielsweise mit dem Sibarist-Filter brüht, sollte den Kaffee besonders fein mahlen, um eine Unterextraktion zu vermeiden. Die verschiedenen Ansprüche der Produkte werden bereits bei einem Blick auf die nackten Zahlen zur Extraktionszeit deutlich:

Filtertest Hario Double Mesh Metal Dripper
  • Bio-Baumwollfilter von Wiesenheimat: 1:43 Min. (inkl. 0:49 Min. zum Aufgießen)
  • Abaca Coffee Paper Filter von CAFEC: 2:24 Min. (inkl. 0:50 Min. zum Aufgießen)
  • V60 Coffee Paper Filter von Hario: 2:50 Min. (inkl. 0:43 Min. zum Aufgießen)
  • Specialty Coffee Filter von Sibarist: 1:32 Min. (inkl. 0:45 Min. zum Aufgießen)
  • Kaffeefilter aus Edelstahl von dripdrip: 2:22 Min. (inkl. 0:46 Min. zum Aufgießen)
  • Double Mesh Metal Dripper von Hario: 4:04 Min. (inkl. 0:50 Min. zum Aufgießen)

Eine Durchlaufzeit von knapp zweieinhalb Minuten ist bei unserer Zubereitungsmethode (Mahlgrad, kein Blooming) der Richtwert — wie sich auch beim Tasting herausstellen wird, ist der Kaffee weder über- noch unterextrahiert. Hier müsste bei unserem zweiten Test der Mahlgrad nicht angepasst werden. Beim Double Mesh Metal Dripper war die Extraktionszeit zu lang, der Kaffee ist überextrahiert und müsste entsprechend gröber gemahlen werden. Beim Specialty Coffee Filter von Sibarist ist das Gegenteil der Fall. Hier wird vom Hersteller entsprechend ein kleinerer Mahlgrad empfohlen. Unser erster Test unterstützt diese Empfehlung.

In einem Blind Tasting bewerten wir die geschmackliche Qualität des Kaffees, hauptsächlich um herauszufinden, ob die Filter einen Eigengeschmack haben und ob sich die Über- und Unterextraktion deutlich bemerkbar machen. Den Tassen ordnen wir jeweils eine Nummer zu. Unter ihnen kleben wir eine Post-It Note mit dem Namen des Filters. Während sich Zalia für die Top 3 enthält, gibt es bei Andys, Jans und Stephans Wertungen nur geringe Abweichungen in der Präferenz:

Jan: 5, 4, 3
Andy: 4, 5, 2
Stephan: 5, 2, 4

Der Kaffee in Tasse Nummer 5 wurde mit dem Abaca-Filter zubereitet, in Tasse Nummer 4 mit dem Filter aus Bio-Baumwolle, in Tasse Nummer 2 mit Hario V60 Papierfilter. Abgeschlagen sind die Kaffees, die mit dem Sibarist-Filter, dem wiederverwendbaren Edelstahl-Filter von dripdrip und und dem Double Mesh Metal Dripper von Hario zubereitet wurden. Diese konnten uns geschmacklich nicht überzeugen. Überraschend war, dass der Kaffee, der mit dem Bio-Baumwollfilter zubereitet wurde, trotz der schnellen Durchlaufzeit und des eingangs starken Eigengeruchs des Filters geschmacklich überzeugt hat.

Um fair zu sein, passen wir nun die Rezeptur ausgewählten Filtern an. Genauer unter die Lupe nehmen wir den Hario Papierfilter, den CAFEC-Filter und den Edelstahlfilter von dripdrip. Den Sibarist-Filter haben wir bereits in einem eigenen Video unter die Lupe genommen. Für unseren aktuellen Test übertragen wir die Werte aus dem genannten Video.

Filtertest 2022

Unser Sibarist-Test

Wir testen im Video den Sibarist Fast Specialty Coffee Filter. Die Sibarist Fast Specialty Coffee Filter ermöglichen dem Kaffee eine schnellere Durchlaufzeit. Dadurch kannst du deinen Kaffee feiner mahlen und eine höhere Extraktion erreichen und somit das Beste aus deinem Kaffee herausholen.

Der zweite Test

Wie behandeln wir jeden Filter individuell für ein optimales Brüherlebnis? Dieses Mal gießen wir das Wasser nicht in einem Schwung auf, sondern gießen nach dem Blooming drei Mal nach, bis 250 ml durchgelaufen sind. Wie eingangs erwähnt, wird der Mahlgrad falls nötig angepasst. Für den Hario Papierfilter behalten wir den Mahlgrad von 22 bei. Die Durchlaufzeit im ersten Test war den Bedingungen angemessen. Der Mahlgrad entspricht dem, den wir üblicherweise im Büro für die Zubereitung mit jenem Filter auch nutzen.

  • V60 Coffee Paper Filter von Hario: Mahlgrad 22, 15 g Nansebo-Kaffee auf 250 ml Wasser. Extraktionszeit: 4:07 Min.
  • Abaca Coffee Paper Filter von CAFEC: Mahlgrad 21, 15 g Nansebo-Kaffee auf 250 ml Wasser. Extraktionszeit: 4:02 Min.
  • Kaffeefilter aus Edelstahl von dripdrip: Mahlgrad 21, 15 g Nansebo-Kaffee auf 250 ml Wasser. Extraktionszeit: 3:54 Min.
  • Specialty Coffee Filter von Sibarist: Mahlgrad 17, 15 g Nansebo-Kaffee auf 250 ml Wasser. Extraktionszeit: 3:45 Min.

Der Abaca-Filter lässt mehr Sedimente durch als der vergleichsweise feinporige Hario-Filter. Geschmacklich nehmen sie sich wenig: Der mit dem CAFEC-Filter zubereitete Kaffee ist leicht überextrahiert, etwas süßer. Der mit dem Hario-Filter zubereitete Kaffee ist smoother, gleichzeitig aber auch trockener im Abgang.

Der dripdrip-Edelstahlfilter hat den Vorteil, dass er wasserabweisend ist. Zwar ist er haptisch eine Herausforderung, indem er immer wieder zusammenfällt und rutscht, allerdings bietet er den Vorteil, dass kein Wasser beim Aufgießen an ihm vorbeiläuft. Auf diese Weise wird eine gleichmäßigere Extraktion ermöglicht.

Der mit dem Sibarist-Filter zubereitete Kaffee verfügt über mehr Tiefe, Intensität und Körper als jener, der mit dem Hario Papierfilter zubereitet wurde. Der wiederum ist cleaner, aber auch dünner. Im Fazit zum Geschmack ist die Meinung gespalten. Erst langsam werden klare Favoriten deutlich.

Jan: Der Kaffee mit dem Hario Papierfilter ist krass gemuted. Vollmundiger als die anderen, aber weniger intensiv. Er ist glatter.
Andy: Der Sibarist-Kaffee hat mehr Süße, wenig Säure.
Jan: Der Edelstahlfilter-Kaffee ist furchtbar. Ich mag ihn überhaupt nicht.
Andy: Ich finde ihn okay. Er ist nur ein wenig harsch im Abgang.
Jan: Er ist auf jeden Fall besser als im ersten Versuch, aber immer noch kein Sieger.
Andy: Trinkbar.

Filtertest dripdrip

Ausgewählte Kaffeefilter

Fazit zum Geschmackstest

Alle Papierfilter sind gegenüber den beiden Permanentfiltern aus Edelstahl vorzuziehen. Der Bio-Baumwollfilter ist deutlich besser als der Edelstahlfilter von dripdrip, dem wir im zweiten Test noch einmal eine Chance geben wollten — vergeblich. Wir raten ab, die wiederverwendbaren Produkte aus Edelstahl für die Zubereitung von Filterkaffee zu nutzen.

Der Sibarist-Filter ist dem von CAFEC leicht überlegen, zeichnet sich durch die Tiefe, Süße und Intensität des Kaffees aus. Der CAFEC-Filter ist wiederum dem Papierfilter von Hario vorzuziehen. Doch wie verhält es sich in Bezug auf Nachhaltigkeit, Preis und Reinigung?

Nachhaltigkeit und Reinigung

In Bezug auf Nachhaltigkeit allein sind aus offensichtlichen Gründen die Edelstahlfilter zu bevorzugen, mit denen du jahrelang jeden Tag so viele Kaffees brühen kannst, wie dein Herz begehrt. Auch sind sie spielend leicht zu reinigen: Den dripdrip-Filter brauchst du lediglich über dem Abfalleimer auszuschütteln, bevor du ihn ausspülen und trocknen lassen kannst. Alternativ kannst du ihn auch nach dem Ausschütteln in die Spülmaschine legen. Der Double Mesh Metal Dripper ist etwas komplizierter zu reinigen. Wir empfehlen, mit einem Löffel den Kaffeesatz herauskratzen, bevor du ihn kräftig durchspülst und/oder in die Spülmaschine legst.

Der Bio-Baumwollfilter ist nicht einfach mit einem Löffel zu reinigen. Den solltest du umkehren, kräftig ausschütteln und ausspülen. Wenn du ihn dann trocknen lässt, kannst du ihn wiederverwenden. Da in einer Packung drei Filter enthalten sind, hast du immer einen trockenen zur Hand, wenn die anderen gerade auf der Leine hängen.

Manilahanf wird in weiten Teilen Süd- und Südostasiens sowie in Mittel- und Südamerika angebaut, muss also über lange Strecken transportiert werden, auch wenn die Pflanze nachwächst und im Überfluss vorhanden ist. Die Pflanze (Abacà) wird als Pulpe z.B. auch für Zigarettenpapier und Teebeutel verwendet. Die Filter sind nicht wiederverwendbar. Manilahanf machen sich sowohl die Filter von CAFEC als auch von Sibarist zunutze. Letztgenannte Marke hat dem Manilahanf Zellulose-Fasern zugesetzt.

Die Papierfilter von Hario werden in Japan hergestellt. Also muss auch hier ein langer Weg für den Transport zurückgelegt werden. Zudem ist (wie beim Filter von Abaca) die Verpackung aus Plastik. Neben dem sauerstoffgebleichten Papier, das wir für unsere Tests verwendet haben, gibt es auch naturbelassenes Filterpapier, das jedoch über einen starken Eigengeschmack verfügt und daher nicht zu empfehlen ist.

Wenn dir Nachhaltigkeit und Geschmack gleich wichtig sind, wirst du mit dem Bio-Baumwollfilter aus deutscher Baumwolle glücklich. Aber auch die Filter aus Manilahanf stellen eine gute Wahl dar.

Filtertest Bio-Baumwolle

Preis

Wenn dir neben Nachhaltigkeit und Geschmack auch der Preis wichtig ist, dürfte der Sibarist-Filter ausscheiden: 100 Einwegfilter kosten knapp 35 €. Pro Filter sind das 0,35 €. Ob dir der vollmundige, intensive Geschmack das wert ist, musst du für dich selbst entscheiden.

Günstigere Optionen als die Mehrwegfilter wirst du sicherlich nicht finden. Zwar musst du über zehn Euro ausgeben, dafür kannst du unendlich viele Tassen Kaffee mit ihnen brühen — und im Fall der Bio-Baumwollfilter kriegst du zum Preis von knapp 15 € gleich drei Filter. Allerdings empfehlen wir, diese trotz sorgsamen Waschens nicht jahrelang zu verwenden. Irgendwann wird es doch unappetitlich.

Basierend auf all diesen Kriterien geht der Bio-Baumwollfilter von Wiesenheimat als klarer Testsieger hervor. Geschmacklich überzeugte hingegen der Kaffee aus dem Sibarist-Filter auf ganzer Linie. Ihm folgt dich der Kaffee aus dem CAFEC-Filter. Aufgrund des enttäuschenden, flachen Geschmackserlebnisses können wir die beiden Edelstahlfilter von dripdrip und Hario nicht empfehlen. Da sie mehrwertig sind, ist das bedauerlich, doch geschmacklich rangieren sie auf den hintersten Plätzen.

Uns überrascht das Ergebnis, da wir — zugegeben — Vorbehalte gegen den Baumwollfilter mit starkem Eigengeruch hatten. Auch überrascht uns, dass der Hario Papierfilter eher im Mittelfeld rangiert, da er bei uns privat und im Büro häufig zum Einsatz kommt. Man lernt bekanntlich nie aus.

Ein Beitrag von Stephan Eicke
Filtertest dripdrip
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